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29.04.2009

GEW: „Alternatives Leitbild zur ‚unternehmerischen Hochschule’“

26. Gewerkschaftstag verabschiedet neues wissenschaftspolitisches Programm der GEW

Nürnberg - „Wissenschaft demokratisieren, Hochschulen öffnen, Qualität von Forschung und Lehre entwickeln, Arbeits- und Studienbedingungen verbessern“, lautet das Motto des neuen wissenschaftspolitischen Programms der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Gewerkschaftstag in Nürnberg hat das Papier am Dienstag beschlossen. „Unser neues wissenschaftspolitisches Programm sehen wir als Leitbild für eine alternative Entwicklung von Hochschule und Forschung – alternativ zum dominanten Leitbild einer ‚unternehmerischen Hochschule’“, erklärte das für Wissenschaft verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied, Andreas Keller.

„Die GEW lehnt sowohl die staatliche Detailsteuerung der Hochschulen als auch den Rückzug von Parlamenten und Regierungen aus ihrer Verantwortung für die Hochschulen ab. Wir unterstützen die Hochschulautonomie, wenn die Mitbestimmungsrechte von Beschäftigten und Studierenden nicht abgebaut, sondern gestärkt werden“, sagte Keller. „Dabei sind Mitbestimmung der Hochschulmitglieder und eine Professionalisierung der Hochschulleitung keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille.“

Die GEW macht sich für eine aufgabengerechte Personalstruktur an Hochschulen und Forschungseinrichtungen stark. „Anders als in vielen ausländischen Wissenschaftssystemen gibt es in Deutschland jenseits von Professur und Professorenlaufbahn keine anerkannte Position für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, kritisierte der GEW-Hochschulexperte. „Wer nicht Professor wird, landet regelmäßig in einer Sackgasse: ohne Aussicht auf eine dauerhafte Beschäftigung in Hochschule und Forschung, überqualifiziert für den freien Arbeitsmarkt. Für Daueraufgaben in Hochschule und Forschung müssen deshalb unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zur Verfügung stehen“, forderte Keller.

Ein weiterer Schwerpunkt des wissenschaftspolitischen Programms ist die Forderung nach Öffnung der Hochschulen. „Wenn Deutschland wirklich Anschluss an die internationale Entwicklung halten und die Studienanfängerquote deutlich steigern will, müssen wir über den bildungsbürgerlichen Königsweg der gymnasialen Oberstufe hinaus den Hochschulzugang erweitern. Die GEW verlangt ein ‚Berufsabitur’: Der Abschluss schulischer und beruflicher Berufsausbildungen sollte grundsätzlich eine Studienberechtigung vermitteln“, sagte der GEW-Sprecher.
Darüber hinaus setze eine soziale Öffnung der Hochschulen die Abschaffung aller Studiengebühren und die strukturelle Erneuerung der Ausbildungsförderung voraus. „Statt Studierende zur Kasse zu bitten, sollte das BAföG perspektivisch zu einem elternunabhängigen Studienhonorar weiterentwickelt werden. Das ist finanzierbar, wenn im Gegenzug ausbildungsbedingte Steuerfreibeträge und Kindergeld in die Ausbildungsförderung integriert und direkt an die Studierenden ausgezahlt werden“, sagte Keller.

So erreichen Sie die GEW-Pressestelle auf dem Gewerkschaftstag:

Pressesprecher Ulf Rödde
0911/8606-6964
0160/90557232

Pressestelle Pamela Pankotsch
0911/8606-6940 oder -6942

Fax: 0911/8606-6939
Mail: E-Mail-Adresse

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