/ Presse
/ Presse-Serviceseite
/ Archiv der Pressemitteilungen
/ 2007
/ Oktober
PM vom 19.10.2007Frankfurt a.M./Berlin - „Die Exzellenzinitiative verschärft die Strukturprobleme des deutschen Hochschulsystems, statt diese zu lösen“, sagte Andreas Keller, für Hochschule und Forschung verantwortliches Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf die heutige Veröffentlichung der Ergebnisse der zweiten Wettbewerbsrunde der Exzellenzinitiative.
Die meisten „Exzellenzuniversitäten“ lägen in Süddeutschland, keine in den neuen Bundesländern. „Statt die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland zu fördern, vertiefen Bund und Länder mit ihrem milliardenschweren Programm das Gefälle zwischen Ost und West, Nord und Süd. Wir brauchen aber keine ‚Leuchttürme in der Wüste’. Spitzenförderung setzt ein breites Fundament voraus“, erklärte Keller.
Er kritisierte, dass mit der Exzellenzinitiative ausschließlich die Forschung an Universitäten gefördert werde: „Lehre und Studium fallen mal wieder unter den Tisch, die Fachhochschulen bleiben von vornherein außen vor.“ Der GEW-Sprecher erinnerte daran, dass der Bund für den Ausbau der Studienplätze im Rahmen des „Hochschulpakts 2020“ gerade einmal 219 Millionen Euro aufbringe, für die Förderung der Spitzenforschung im Rahmen der Exzellenzinitiative hingegen über 1,4 Milliarden Euro. „Das ist eine falsche Prioritätensetzung zu Lasten junger Menschen, die sich aufgrund des Studienplatzmangels die Exzellenz-Unis nur von außen anschauen dürfen“, sagte Keller.
An Bund und Länder richtete der Gewerkschafter drei Forderungen. „Die Ausgaben für den Ausbau von Studienplätzen müssen mit der Förderung der Spitzenforschung Schritt halten. Daher brauchen wir erstens einen ‚Hochschulpakt II’, der für 40 Prozent eines Altersjahrgangs Studienkapazitäten bereitstellt“, unterstrich Keller. Zweitens müsse der Exzellenzinitiative für die Forschung eine „Exzellenzinitiative für die Lehre“ folgen. Diese solle den Hochschulen Anreize für die Verbesserung der Qualität der Lehre geben. Drittens betonte Keller, dass exzellente Lehre und Forschung exzellente Arbeitsbedingungen voraussetzten: „Die Hochschulen müssen daher insbesondere dem wissenschaftlichen Nachwuchs faire Beschäftigungsbedingungen und verlässliche Karrierewege anbieten.“
Info: Über Grundlagen, Praxis und Konsequenzen der Exzellenzinitiative wird die GEW gemeinsam mit dem Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in der Tagung „Making Excellence“ am 23. und 24. November in Wittenberg diskutieren. Nähere Informationen sind // hier verfügbar.